Das Berliner Dach-Haus.

Bezahlbarer Wohnraum in Großstädten ist rar. Ein freies Grundstück in City-Lage ist selten und teuer. Ein  Berliner Bauherren-Paar hat daher sein eigenes, alternatives Wohnprojekt auf einem Flachdach im Wedding realisiert.

Ein Penthouse in Eigenregie auf einem bestehenden Flachdach in der Hauptstadt Berlin mit überschaubaren Kosten zu bauen, erforder Mut und Entschlossenheit. Vera Tollmann und Christian von Borries haben beides,  gemeinsam mit dem Architekten Christof Mayer habe Sie ein Standard-Gewächshaus auf das Dach eines Berliner Gewerbebaus gesetzt. Dieser „Rohbau“ wurde zu einer offenen Wohnung ausgebaut und ist nun schon seit 2010 das Domizil der Bauherren.

Es mag nicht einfach sein, geeignete Dachstandorte für Nachahmer zu finden, aber das erfolgreiche Modell aus Berlin zeigt, wie man mit relativ einfachen Mitteln ein bestehendes, nicht genutztes Flachdach bei entsprechender Eignung in ein genutztes Dach umwandeln kann. Die Planungsphase (die sich aufgrund dieses Präzedenzfalles über mehrere Jahre erstreckte) nicht mitgerechnet, dauerte die Realisierung der Wohneinheit und der angrenzenden Dachterrasse nur ein knappes halbes Jahr – und alles bei überschaubaren Kosten. Ein bewundernswertes Modell und Projekt, das Berliner Dach-Haus – oder „Hegemonialtempel“ wie es die Bauherren nennen.

Die haben sich ein Paradies geschaffen. “Ich bekomme die Jahreszeiten mit, schlafe unterm Vollmond und habe selbst an trüben Novembertagen noch viel Licht”, sagt der 54-jährige Musiker und Filmemacher Christian von Borries.  Er wollte einen Prototypen schaffen, der zur Nachahmung inspiriert, “zeigen, dass Raum mit wenig Geld nutzbar gemacht werden kann.” Wenn es kalt wird, zieht er sich in die ummauerten Räume zurück, im Sommer öffnet er sein Gewächshaus und schiebt die Küchenzeile auf die Dachterasse, wo auch eine Sauna steht. Von Borries sagt: “Eigentlich müsste Bauen viel individueller sein. Zur Zeit geht es nur um Profit.” Auch in seinem Kiez steigen die Mieten, dabei sind die Dächer fast alle noch frei.

Ein statisch geeignetes Gebäude mit Flachdach bietet immer „Platz nach oben“. Eine Aufstockung ist meist problemlos möglich, eine individuelle Nutzung, wie in diesem Fall aber eine interessante Alternative und Inspiration.

Weitere Informationen:

http://www.hegemonietempel.net/pdfs/metamorphosen%20april2010.pdf

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/im-gewachshaus

 

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Die neue DIN 18531-18535

Seit Juli 2017 sind die neuen Abdichtungsnormen in Kraft, die die bisherigen DIN 18195 und DIN 18531 ablösen. Die Überarbeitung der DIN 18195 war notwendig, stammte sie doch noch aus dem Jahr 2000 und entsprach inhaltlich nicht mehr dem Stand der Technik. Die neue Struktur soll unter anderem die Anwendung der Einzelnormen in der Praxis erleichtern. Aus diesem Grund haben sich die zuständigen Gremien auf eine bauteilbezogene Unterteilung der Normenwerke verständigt.

Die DIN 18531, umfasst als neue „Dachabdichtungsnorm“ neben den Vorgaben für nicht genutzte Dächer nun auch die Regeln der bislang in der DIN 18195-5 behandelten genutzten Dächer.

Als Dachabdichtungsnorm ist die DIN 18531 für Planer von Flachdächern besonders relevant. Sie enthält jetzt nicht nur die Regelungen für ungenutzte Dächer, sondern vereint nun auch die genutzten Dächer, die zuvor in die DIN 18195-5 ausgelagert waren. Allerdings ist die DIN 18195 weiterhin wichtig – sie enthält zentrale Begriffsdefinitionen und verdeutlicht die Schnittstellen zwischen den Normen. In der Praxis bedeutet dies, dass die DIN 18195 immer gemeinsam mit den Abdichtungsnormen gelesen und angewendet werden muss.

Die DIN 18531 im Detail:

Die neue Bezeichnung der DIN 18531:2017-07 „Abdichtung von Dächern sowie Balkonen Loggien und Laubengängen“ gliedert sich in fünf Teile:

  • Teil 1: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze
  • Teil 2: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Stoffe
  • Teil 3: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Auswahl, Ausführung und Details
  • Teil 4: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Instandhaltung
  • Teil 5: Balkone, Loggien und Laubengänge

Als „nicht genutzt“ gilt ein Dach, wenn die Dachfläche nur zu Zwecken der Pflege, Instandsetzung und Wartung begangen wird. Außerdem gehören extensiv begrünte Dachflächen in diese Kategorie.

In der aktuellen Norm sind nun die „genutzten Dächer“ aufgenommen worden. Hierbei handelt es sich um begehbare Dachflächen, z.B. Dachterrassen, Gehwege und Dachflächen mit intensiver Begrünung und einer möglichen Anstaubewässerung von bis zu 10 cm. Dächer mit Solaranlagen (am Tragwerk befestigt oder ballastiert) und/oder haustechnischen Anlagen gehören ebenfalls zu den genutzten Dächern.

Teil 4 enthält Regelungen zum Thema der Instandhaltung. Sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft, muss eine Dacherneuerung nach DIN 18531-1 bis DIN 18531-3 erfolgen.

In Teil 5 der DIN 18531 sind Regelungen zur Abdichtung von Balkonen, Loggien und Laubengängen beschrieben. Hier ist ein geringeres Schutzniveau möglich, da sich diese Flächen nicht über bewohnbaren Räumen befinden. Eine Folge davon ist, dass die Struktur der Norm in diesem Teil verändert wurde. Aus diesem Grund sind hier auch Beschichtungen als eine Maßnahme gegen das Eindringen von betonangreifenden oder korrosionsfördernden Stoffen in Betonbauteilen enthalten, die keine Abdichtung im Sinne der Norm darstellen, aber dennoch in diesem Bereich ausgeführt werden können.

Selbstverständlich können hier nach wie vor alle bahnenförmigen Stoffe als Abdichtung eingesetzt werden.

Dachneigung/Gefälle:

Die Regelung zur Gefälleausbildung wurde angepasst (mit etwas mehr Spielraum):

„Die Abdichtung sollte, außer bei intensiv begrünten Dächern mit Anstaubewässerung, so geplant und ausgeführt werden, dass Niederschlagswasser nicht langanhaltend auf der Abdichtungsschicht stehen kann. Dazu sollte ein Mindestgefälle von 2% geplant werden“.„Bei Dachflächen mit einer Neigung bis ungefähr 5 % (3°) ist aufgrund zulässiger Ebenheitstoleranzen, der Durchbiegung des Tragwerks, vorhandenem Gegengefälle und aufgrund von Unebenheiten an Bahnenüberlappungen und -verstärkungen eine Pfützenbildung möglich. Soll Pfützenfreiheit erreicht werden, ist eine Neigung von mehr als 5 % zu planen.“

Anwendungsklassen, Gefälleregelungen und Stofftabellen

Wie die frühere Version unterscheidet auch die aktualisierte Fassung zwischen Standardausführung (K1) und höherwertiger Ausführung (K2), allerdings spricht sie nicht mehr von „Kategorien“, sondern von „Anwendungsklassen“. Zudem ist dies nun auch auf genutzte Dächer anzuwenden.

Anwendungsklasse K1: Das Mindestgefälle beträgt 2%. Allerdings ist die Möglichkeit, in begründeten Fällen von dieser Empfehlung abzuweichen, nun klarer formuliert.

„Dächer der Anwendungsklasse K1 können auch ohne Gefälle geplant werden, wenn die Auswahl der Abdichtung die Anforderungen der Anwendungsklasse K2 erfüllt.“

Der Grundsatz, dass Dächer mit 2% Gefälle zu planen sind, besteht also nach wie vor, aber die Möglichkeiten der Ausnahme (also davon abzuweichen) sind nicht mehr so eng gefasst.

Anwendungsklasse K2: Voraussetzung in der Klasse K2 ist ein Gefälle von 2%, in Kehlen mindestens 1%. Bei begrünten K2-Dächern mit einer Anstaubewässerung bis 100 mm ist ein geringeres geplantes Gefälle zulässig, sofern dies bei der Materialauswahl und der Ausführungsart berücksichtigt wird.

Solaranlagen

Das Thema Solaranlagen wurde nun ausführlich in einem eigenen Abschnitt behandelt. Man unterscheidet nun zwischen integrierten Anlagen, aufgeständerten und ballastierten Anlagen.

Und klare Worte fehlen auch hier nicht:

„Die Abdichtungsschicht darf nicht zur lastabtragenden Befestigung von Solaranlagen, z. B. adhäsive Verbindungen durch Kleben oder Schweißen genutzt werden.“

Fazit

Die beiden Normen DIN 18195 und DIN 18531 sowie die  Flachdachrichtlinie re­­gelten bislang die Bauwerks- und Dach­ab­dich­tung­en. Nach der Überarbeitung der DIN-Normen tritt nun ein aktualisiertes Regelwerk in Kraft. Eine Abgrenzung zwischen der Flachdachrichtlinie und der DIN war in der Vergangenheit nicht immer offensichtlich. Die neuen Normen sorgen durch eine klare Struktur und Abgrenzung der Zuständigkeiten für eine bessere Verständlichkeit – Die neue DIN 18531 hat nun theoretisch das Zeug zum Stand der Technik zu werden. Ihren Platz in den Ausschreibungen und Vertragswerken der Zukunft muss sie sich aber erst noch erkämpfen.

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Das Gründach der Antike – die Geschichte des flachen Daches

Geschichtlichen Überlieferungen zufolge wurden bereits um 900 v. Chr. die ersten Dachbegrünungen im Vorderen Orient angelegt. Im 6. Jahrhundert . v. Chr. entstanden die hängenden Gärten der Semiramis, die als eines der sieben Weltwunder der Antike gelten. Diese prächtige Anlage über Teilen des Palastes von Babylon ruhte auf einer Säulenkonstruktion und stieg treppenförmig an. Die Gärten wurden über ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem (archimedische Schraube) direkt durch den Euphrat gespeist. Die damalige Abdichtung bestand aus Schichten von Asphaltplatten, Backsteinen und Mörtel. Die Bepflanzung war üppig intensiv, Bäume und Früchte symbolisierten den Garten Eden.

Unter dem orientalischen Einfluss gelangte der Adonis-Kult in die griechisch-römische Welt und damit auch der Brauch, flache Dächer zu begrünen, möglicherweise als Folge hoher Grundstückspreise wurden Gärten römischer Villen „nach oben verlegt“. Dachgärten waren bei den Römern so beliebt, dass sogar Fischteiche auf Dächern und Balkonen angelegt wurden.

Über Jahrhunderte vergessen, gelangte die Gartenkultur der Antike zur Zeit der Renaissance zuerst nach Florenz, Rom und Venedig, um bald darauf auch andere europäische Zentren zu erreichen. Vorwiegend Dachflächen auf Schlössern verwandelten sich zu wunderbaren Dachanlagen. Erst zur Zeit des Barock erkannte in unseren Breiten der Bausachverständige Jakob Marperger (1656-1730) die Bedeutung von begrünten Dachflächen und trat in der Öffentlichkeit für diese Idee ein. Die Entwicklung des Holzzemtdaches im Jahr 1839 durch den schlesischen Böttchermeister Samuel Häusler erregte Aufmerksamkeit bei den Baumeistern, vor allem in Großstädten breitete sich das Flachdach rasch aus. 1867 empfahl der Berliner Maurermeister Carl Rabitz in seiner Broschüre „Naturdächer von vulkanischem Cement“ die Einführung des flachen Daches, nicht zuletzt wegen der Möglichkeit von darauf anzulegenden Gärten. Damit begann in Europa die eigentliche Entwicklungsgeschichte des Flachdaches.

Mit der Welle der Industrialisierung im 19. Jahrhundert galt es, neue Spannweiten über größere Flächeneinheiten zu überbrücken. Dies gelang mit Eisenbeton und Stahlskelettkonstruktionen. Die Entwicklung des flachen Daches passte sich an und setzte sich vor allem im Industriebau durch.

Anfang des 20. Jahrhunderts beschäftigten sich in Europa einzelne avantgardistische Architekten mit der Formensprache des neuen Bauens. Der bekannteste unter ihnen war Le Corbusier. kaum ein anderer hat das Flachdach und dessen Nutzung als Wohnterrasse so entschieden propagiert. Beispiel dieser Entwicklung ist die 1927 entstandene Weißenhofsiedlung in Stuttgart, Demonstrationsobjekt des neuen Bauens im Wohnungsbau. Das ehemals für elitär gehaltene flache Dach wurde nun unter dem sozialen Anspruch des neuen Bauens in Form der Dachterrasse als Erweiterung des Wohnraumes entdeckt.

Le Corbusier: „Ist es nicht wahrhaft wider alle Logik, wenn eine ganze Stadtoberfläche ungenützt unter Zwiesprache der Schiefer mit den Sternen vorbehalten bleibt?“

Le Corbussier Entwürfe, 1920-1930

Mit Architekten wie Walter Gropius und Le Corbusier, die ohne Zweifel zu den einflussreichsten Architekten und Städteplanern des 20. Jahrhunderts zählen, wurde die Nutzung des flachen Daches populär. „Der Dachgarten wird zum bevorzugten Aufenthaltsort des Hauses und bedeutet den Wiedergewinn der ganzen bebauten Fläche“, schrieb Le Corbusier 1923 in seinen fünf Punkten zu einer neuen Architektur.

Bauhaus Dessau, Entwurf: Walter Gropius

In den 1950er Jahren setzte sich das flache Dach endgültig durch. Bei der Weltausstellung 1958 in Brüssel zeichnete sich der deutsche Pavillon der Architekten Eiermann/Ruf durch eine besondere Leichtigkeit aus. Aus dieser Zeit gibt es Flachdächer, die heute noch voll funktionsfähig sind.

Bis in die Mitte der 70er Jahre wurden überwiegend intensive und genutzte Dachbegrünungen auf Tiefgaragen, Unterführungen und Vorzeigeobjekten realisiert. Um Gründächer weiter zu verbreiten, mußte man zwangsläufig kostengünstigere Systeme entwickeln. So entstanden Anfang der 80er Jahre die ersten extensiven Dachbegrünungen, bei denen nicht die Nutzung, sondern der ökologische Gedanke im Mittelpunkt stand. In dieser Zeit entstanden auch technisch ausgereifte und zuverlässige Produkt- und Systemlösungen für das begrünte Dach.

Mit den „Grundsätzen für Dachbegrünungen“ wurden 1982 von der FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V.) die bau- und vegetationstechnischen Aspekte von intensiven Dachbegrünungen als erstes anerkanntes Regelwerk herausgegeben. 1984 folgte das „Untersuchungsverfahren zur Durchwurzelungsfestigkeit von Wurzelschutzbahnen“. Seit 1990 geben die „Richtlinien für die Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünungen“ der FLL sowohl für intensive als auch für extensive Gründächer den Stand der Technik wieder.

Zur Materialauswahl für die Abdichtung unter Dachbegrünungen gibt es eine Empfehlung der Forschungsinitiative Zukunft Bau Wecobis unter Beteiligung des Bundesministeriums für Umwelt und der bayerischen Architektenkammer:  Polymerbitumen-Dichtungsbahnen, die als oberste Lage bei begrünten Flachdächern verwendet werden, müssen, wenn ein Eindringen der Wurzel verhindert werden soll, mit durchwurzelungshemmenden Stoffen (Bioziden) ausgerüstet sein. Diese können zu Emissionen der eingesetzten Herbizide wie Mecoprop im Dachabwasser führen. Als Alternative sollten Produkte auf EPDM-Basis … erwogen werden, die keine Biozide enthalten.

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